Verkehrsversuch auf der Europakreuzung – wann werden die Ergebnisse veröffentlicht?

Pressermitteilung: Bürgerinitiative »Diagonal ist besser« fordert Veröffentlichung der Versuchsergebnisse.

Greifswald, 12.10.2012. Am 30. August endete die Sperrung der zweiten Linksabbiegerspur vom Hansering über die Europakreuzung in die Wolgaster Straße. Nach derzeitiger Planung zum Umbau der Europakreuzung können überflüssige Autofahrspuren zugunsten von mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer entfallen. Insbesondere wird der so gewonnene Verkehrsraum zur Errichtung der Diagonalquerung für Radfahrer genutzt. Darüber ist es häufig zum Streit gekommen. Die Gegner fürchten einen Rückstau am Hansering. Die zweimonatige Sperrung sollte zeigen, dass diese Befürchtungen absolut unbegründet sind. Mehrfach wollte die Stadtverwaltung den Autoverkehr zählen und beobachten.

„Über die Ergebnisse dieser Zählung ist öffentlich bisher nichts bekannt geworden.“ bemerkt Torsten Wierschin, einer der Mitbegründer und Sprecher der Bürgerinitiative. Wierschin ist Vorstandsmitglied im Verkehrsclub Deutschland im Landesverband Nordost und unterstützt in dieser Funktion die Arbeit der Bürgerinitiative. „Das Verhalten der Stadtverwaltung überrascht,“ so meint Wierschin weiter, „da jeder in der Stadt um das rege Interesse an der Thematik weiß. Wir fordern daher die umgehende Veröffentlichung der Ergebnisse.“

Als Alternative zur offiziellen Zählung hat die Bürgerinitiative ebenfalls den Verkehr beobachtet. Weder in stichpunktartigen Beobachtung noch in zwei ausführlichen Zählungen während der Hauptverkehrszeiten (08.08.2012, 7 bis 8 Uhr und 13.08.2012, 16 bis 17 Uhr) konnten Probleme durch einen Rückstau festgestellt werden. 95 Prozent der Verkehrsteilnehmer konnten die Ampel in ihrer ersten Grünphase passieren, die verbleibenden 5 Prozent gelang dies in der zweiten Phase. Zu diesen kurzen Verzögerungen kam es lediglich dann, wenn Fahrzeuge (insbesondere LKW) sehr langsam anfuhren und so nachfolgende Verkehrsteilnehmer behinderten. Die Zufahrt in die Loefflerstraße war zu keinem Zeitpunkt behindert. „Der offenbar notwendige Rückbau der Linksabbiegerspur ist somit kein Argument gegen die Umsetzung der Diagonalquerung“, betont Wierschin.

Kontakt, Spenden und Treffen

Die Kontaktdaten der Bürgerinitiative lauten:

Bürgerinitiative “Diagonal ist besser — für Rad, Auto und Fuß”
c/o Hannes Richert, Torsten Wierschin
Mobil: 0152/24155597, 0162/1543686
e-Mail: hannes(.)richert(at)posteo(.)de, torsten(.)wierschin(at)vcd-nordost(.)de

Falls Sie uns eine Spende zukommen lassen wollen, lautet unsere Bankverbindung:

Spende: VCD Nordost, Kto: 802 531 38 01, BLZ: 430 609 67, GLS Bank
Verwendungszweck: „BI Diagonal ist besser“, Name und Adresse des Spenders

Gern stellen wir Ihnen eine Spendenquittung für Spenden über 200 Euro aus. Ihr Geld werden wir ausschließlich für Öffentlichkeitsarbeit einsetzen.

Geplant sind die Treffen der BI zunächst für jeden dritten Donnerstag des Monats , 19.30Uhr im Hermann. Gern können Sie einige Diagonalos aber auch beim ADFC Stammtisch treffen.

Die Umgestaltung der Europakreuzung erhöht die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer!

Die Umgestaltung der Europakreuzung trägt dem veränderten Verkehrsgeschehen an diesem Knotenpunkt Rechnung. Die Greifswalder Ortsumgehungen reduzieren den Verkehr. Es  besteht die Chance, innerstädtische Autostraßen in andere Nutzungsarten umzuwandeln. Dabei sollte auch das Erhöhen der Verkehrssicherheit aller Verkehrsteilnehmer im Mittelpunkt stehen. Die Planungen sehen deshalb u.a. vor:

  1. die Fußweglängen über die Straße zu verkürzen.
  2. mehr Platz für Fußgänger und damit das Beseitigen von Konflikten mit Radfahrern zu schaffen.
  3. Autofahrstraßen einspurig zu verengen, um das innerstädtische Tempo baulich zu reduzieren und den Verkehrsfluss durch das Vermeiden von unnötigen Überhol- und Einordnemanövern zu harmonisieren. Das wirkt Autounfällen entgegen.
  4. einen für Radfahrer gegenüber dem Autoverkehr konfliktfreien Radweg diagonal über die Kreuzung zu errichten.
  5. durch das Angebot der DQ eine positive, verkehrslenkende Wirkung zu erzielen, d.h. den Radfalschfahrer in der Anklamer Straße die Pappelallee als deutlich sicheren Radweg anzubieten.

Diesen Argumenten stimmen bisher

  • das Landesamtes für Straßenbau und Verkehr beim Behördentermin vor Ort am 20.04.2010
  • der VCD, der ADFC, der ADAC und der ACE seit 2012 sowie
  • die Verkehrsplanung, die Umweltabteilung, das Tiefbauamt, die untere Straßenverkehrsbehörde und Polizei der UHGW zu.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. lies 01/2012 durch seine Unfallforschung ganz allgemein DQs unterschiedlichen Typs hinsichtlich der Verkehrssicherheit untersuchen. Die Ergebnisse, die mit den oben genannten übereinstimmen, sind an dieser Stelle nachzulesen.

Eine Studienarbeit aus 08/2011 der TU Dresden (vorgelegt an der weltweit anerkannten Fakultät Verkehrswissenschaften „Friedrich List“) zum Thema „Bewertung der Verkehrsqualität und Verkehrssicherheit von signalisierten Knotenpunkten mit Diagonalquerung“ kommt u.a. zum Fazit:

Zur Verbesserung der Fußgängersicherheit an Knotenpunkten können Diagonalquerungen sehr zielführend sein. Die Lichtsignalsteuerung muss, damit keine Sicherheitsvorteile durch Überschreiten-Unfälle verloren gehen, so konzipiert werden, dass eine gute Rotlichtakzeptanz der Fußgänger erreicht wird.

Sicherlich geht es bei den angezeigten DQs nicht immer nur um solche für Radler. Die Ergebnisse sind aufgrund des geringen Tempounterschieds und der vergleichbaren Verkehrsdichte zwischen Fußgängern und Radlern übertragbar.

Diagonal ist besser!

Wenn es in Greifswald einen Verkehrsknotenpunkt gibt, so ist es die Europakreuzung. Jeden Tag passieren tausende Greifswalder diesen Schnittweg – und geraten dabei in Konflikte. Insbesondere zu Stoßzeiten behindern sich Radfahrer und Fußgänger gegenseitig, mitunter auch unter Einbeziehung des motorisierten Verkehrs. Schuld daran sind sie nicht unbedingt selbst: Die Kreuzung kann schlichtweg die Lasten nicht zu jeder Zeit tragen.

Ein Konzept, um Standzeiten zu überwinden und den Verkehr fließen zu lassen, ist die sogenannte »Diagonalquerung«. Radfahrer würden eine zusätzliche Ampel erhalten und dürften, während Autofahrer nach links abbiegen (zum Beispiel vom Hansering in die Wolgaster Straße), in einem breiten Korridor diagonal zwischen Theaterplatz und Mühlentor kreuzen. An den bisherigen Wartepunkten würden weniger Radfahrer stehen und die Hauptachse des Greifswalder Fahrradverkehrs über die Robert-Blum-Straße und die Pappelallee würde betont.

Leider hat sich gerade an diesem Projekt in den vergangenen Jahren eine vornehmlich ideologische Auseinandersetzung entzündet. Teilweise unabhängig von Argumenten, Finanzierungsideen und der Prüfung durch diverse Sachverständige, wollen als konservativ geltende Bürgerschaftsfraktionen der Idee einen Riegel vorschieben. Ein weiterer Höhepunkt dieses Dauerstreits ist der gegenwärtige Versuch die Umgestaltung der Europakreuzung ganz aus dem Radverkehrsplan zu streichen. CDU, FDP und Bürgerliste möchten »ein für allemal und für alle Klarheit in dieser Frage schaffen« und belegen damit, dass es ihnen nicht um das Gemeinwohl geht: Die Diskussion soll beendet werden, denn Diskussionen sind leider so mühselig, mit all ihren Argumenten und den unliebsamen Teilnehmern.

Dieser Schritt wird allein damit begründet, dass in einer Telefonbefragung ein negatives Meinungsbild zur Diagonalquerung eingeholt wurde. Eine vorherige Onlinebefragung ergab jedoch ein entgegengesetztes Ergebnis. Für beide Versuche gilt, dass sie nicht als repräsentativ gelten können. Wenn man, wie geschehen, an einem Werktag gegen 11 Uhr zufällig ausgewählte Festnetzanschlüsse anruft, erreicht man eben nur diejenigen, die dann nicht auf dem Fahrrad oder auf Arbeit und in der Uni sitzen und verzerrt so die Erhebung.
Dass dennoch versucht wird, den Anschein der Repräsentativität aufrecht zu erhalten, zeugt entweder von Unwissenheit oder aber von Ignoranz.

Was kostet die Diagonalquerung?

Zunächst geht es auch nur darum, das Projekt nicht aus dem Radverkehrsplan zu streichen – das kostet gar nichts.
Insgesamt sind 185.000 Euro veranschlagt, davon 25.000 Euro für die teurere LED-Ampeltechnik.
Zum Vergleich: Die Programmierung einer grünen Welle hat etwa 60.000 Euro gekostet.
Zur Relativierung: Jährlich lassen sich 7.000 Euro durch die energieeffizienten LED-Leuchten einsparen – das Projekt refinanziert sich also mittelfristig.
Zur Klarstellung: Die Ampelanlage muss früher oder später ohnehin saniert werden.

Wem nützt die Diagonalquerung?

Fußgänger und Radfahrer müssen sich weniger um den zu knapp bemessenen Platz vor den Ampelübergängen streiten.
Alle Verkehrsteilnehmer profitieren von schnelleren Schaltzyklen, da durch die Verkleinerung der Kreuzung geringere Überfahrt- und Räumzeiten benötigt werden – die Wartezeiten werden kürzer.
Radfahrer profitieren besonders durch die neue Kreuzungsoption.
Alle Bürger und Gäste Greifswalds können von einer Entschlackung profitieren, wenn die Hauptverkehrsader für Radfahrer gestärkt wird und diese darum seltener auf der Anklamer Straße mit Autofahrern um den dort vorhandenen Platz konkurrieren.

Ist die Diagonalquerung gefährlich?

Nein. Alle an der Prüfung des Konzeptes beteiligten Behörden haben grünes Licht gegeben. Seit vielen Jahren kreuzen Radfahrer unerlaubt quer – noch nie gab es dabei Unfälle.

Wird es Stau geben?

Vermutlich nicht – die Planung beruht auf Modellrechnungen und aktuellen Verkehrsdaten. Dennoch gibt es Zweifel: Wenn es nur noch eine Linksabbiegerspur am Hansering gibt, könnte man einen Rückstau bis über die Einmündung zur Löfflerstraße hinaus befürchten.
Um diesen strittigen Punkt zu klären, könnte man in einen provisorischen Betrieb die Diagonalquerung erproben. Was braucht es dazu?

– kurzlebige Fahrbahnmarkierungen
– eventuell kurze Rampen an den momentan noch hohen Bürgersteigkanten
– Freiwillige, die unter Anleitung der Polizei »Ampel« spielen

Das Konzept wird derzeitig getestet und wir wollen dies Beobachten.

Was tun?

Wir haben uns als Bürgerinitiative „Diagonal ist besser – für Rad, Auto & Fuß“ gegründet um das Projekt weiter voran zu treiben.