Diagonal ist besser!

Wenn es in Greifswald einen Verkehrsknotenpunkt gibt, so ist es die Europakreuzung. Jeden Tag passieren tausende Greifswalder diesen Schnittweg – und geraten dabei in Konflikte. Insbesondere zu Stoßzeiten behindern sich Radfahrer und Fußgänger gegenseitig, mitunter auch unter Einbeziehung des motorisierten Verkehrs. Schuld daran sind sie nicht unbedingt selbst: Die Kreuzung kann schlichtweg die Lasten nicht zu jeder Zeit tragen.

Ein Konzept, um Standzeiten zu überwinden und den Verkehr fließen zu lassen, ist die sogenannte »Diagonalquerung«. Radfahrer würden eine zusätzliche Ampel erhalten und dürften, während Autofahrer nach links abbiegen (zum Beispiel vom Hansering in die Wolgaster Straße), in einem breiten Korridor diagonal zwischen Theaterplatz und Mühlentor kreuzen. An den bisherigen Wartepunkten würden weniger Radfahrer stehen und die Hauptachse des Greifswalder Fahrradverkehrs über die Robert-Blum-Straße und die Pappelallee würde betont.

Leider hat sich gerade an diesem Projekt in den vergangenen Jahren eine vornehmlich ideologische Auseinandersetzung entzündet. Teilweise unabhängig von Argumenten, Finanzierungsideen und der Prüfung durch diverse Sachverständige, wollen als konservativ geltende Bürgerschaftsfraktionen der Idee einen Riegel vorschieben. Ein weiterer Höhepunkt dieses Dauerstreits ist der gegenwärtige Versuch die Umgestaltung der Europakreuzung ganz aus dem Radverkehrsplan zu streichen. CDU, FDP und Bürgerliste möchten »ein für allemal und für alle Klarheit in dieser Frage schaffen« und belegen damit, dass es ihnen nicht um das Gemeinwohl geht: Die Diskussion soll beendet werden, denn Diskussionen sind leider so mühselig, mit all ihren Argumenten und den unliebsamen Teilnehmern.

Dieser Schritt wird allein damit begründet, dass in einer Telefonbefragung ein negatives Meinungsbild zur Diagonalquerung eingeholt wurde. Eine vorherige Onlinebefragung ergab jedoch ein entgegengesetztes Ergebnis. Für beide Versuche gilt, dass sie nicht als repräsentativ gelten können. Wenn man, wie geschehen, an einem Werktag gegen 11 Uhr zufällig ausgewählte Festnetzanschlüsse anruft, erreicht man eben nur diejenigen, die dann nicht auf dem Fahrrad oder auf Arbeit und in der Uni sitzen und verzerrt so die Erhebung.
Dass dennoch versucht wird, den Anschein der Repräsentativität aufrecht zu erhalten, zeugt entweder von Unwissenheit oder aber von Ignoranz.

Was kostet die Diagonalquerung?

Zunächst geht es auch nur darum, das Projekt nicht aus dem Radverkehrsplan zu streichen – das kostet gar nichts.
Insgesamt sind 185.000 Euro veranschlagt, davon 25.000 Euro für die teurere LED-Ampeltechnik.
Zum Vergleich: Die Programmierung einer grünen Welle hat etwa 60.000 Euro gekostet.
Zur Relativierung: Jährlich lassen sich 7.000 Euro durch die energieeffizienten LED-Leuchten einsparen – das Projekt refinanziert sich also mittelfristig.
Zur Klarstellung: Die Ampelanlage muss früher oder später ohnehin saniert werden.

Wem nützt die Diagonalquerung?

Fußgänger und Radfahrer müssen sich weniger um den zu knapp bemessenen Platz vor den Ampelübergängen streiten.
Alle Verkehrsteilnehmer profitieren von schnelleren Schaltzyklen, da durch die Verkleinerung der Kreuzung geringere Überfahrt- und Räumzeiten benötigt werden – die Wartezeiten werden kürzer.
Radfahrer profitieren besonders durch die neue Kreuzungsoption.
Alle Bürger und Gäste Greifswalds können von einer Entschlackung profitieren, wenn die Hauptverkehrsader für Radfahrer gestärkt wird und diese darum seltener auf der Anklamer Straße mit Autofahrern um den dort vorhandenen Platz konkurrieren.

Ist die Diagonalquerung gefährlich?

Nein. Alle an der Prüfung des Konzeptes beteiligten Behörden haben grünes Licht gegeben. Seit vielen Jahren kreuzen Radfahrer unerlaubt quer – noch nie gab es dabei Unfälle.

Wird es Stau geben?

Vermutlich nicht – die Planung beruht auf Modellrechnungen und aktuellen Verkehrsdaten. Dennoch gibt es Zweifel: Wenn es nur noch eine Linksabbiegerspur am Hansering gibt, könnte man einen Rückstau bis über die Einmündung zur Löfflerstraße hinaus befürchten.
Um diesen strittigen Punkt zu klären, könnte man in einen provisorischen Betrieb die Diagonalquerung erproben. Was braucht es dazu?

– kurzlebige Fahrbahnmarkierungen
– eventuell kurze Rampen an den momentan noch hohen Bürgersteigkanten
– Freiwillige, die unter Anleitung der Polizei »Ampel« spielen

Das Konzept wird derzeitig getestet und wir wollen dies Beobachten.

Was tun?

Wir haben uns als Bürgerinitiative „Diagonal ist besser – für Rad, Auto & Fuß“ gegründet um das Projekt weiter voran zu treiben.

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